Das Case Management

 

Milly ist nicht nur schwerbehindert, sondern auch schwerstpflegebedürftig. Ihr steht Pflegegeld zu. Es kommen noch Pflegeleistungen hinzu, die die Pflege erleichtern sollen. Dazu gehören vor allem die Verhinderungspflege und der Entlastungsbetrag. Mit Hilfe dieser Leistungen können wir auch mal am Wochenende unsere Nannys mit Milly um die Häuser schicken oder eine Reinigungskraft für eine Wohnungsgrundreinigung engagieren. Gerade da, wo es für mich körperlich anstrengend ist, sind diese Entlastungsleistungen toll, und wir nutzen sie regelmäßig.

 

Leider machen das aber nicht alle Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen. Denn die Bürokratie, die dahinter steckt ist enorm. Die Anträge müssen rechtzeitig gestellt, ausgefüllt und wieder zugeschickt werden. Viele pflegende Angehörige wissen gar nicht, welche Entlastungsleistungen sie für ihre Pflegetätigkeit in Anspruch nehmen können. Es ist keine Zeit da, sich in die Materie einzulesen. Hinzu kommen viele weitere Aufgaben: Behördengänge, der Informationsaustausch und die Terminvereinbarungen mit Ärzten, Therapeuten, Kindergarten etc. Ständig muss ich Vorgänge nachhalten und habe mir eine Wiedervorlagenliste wie in der Verwaltung angelegt, die ich regelmäßig abarbeite. Natürlich muss ich auch Fristen beachten, zum Quartalsbeginn von den Ärzten die Überweisungsscheine und Rezepte holen, ggf. auch Einweisungsscheine. Aber Achtung, die sind nur 10 Tage gültig und der Arzt darf bloß keinen falschen Indikationsschlüssel auf dem Rezept angeben. Dann wird eine Therapie schon mal eingestellt und das Rezept muss neu ausgestellt, abgeholt und weitergeleitet werden. Nicht zu vergessen, der ständige Kontakt und die Termine mit dem Reha-Fachhandel bzgl. der Hilfsmittel. Den größten Batzen dieses Verwaltungsaufwands macht die Korrespondenz mit der Krankenkasse aus, nämlich dann, wenn man mit ihnen um die Hilfsmittel ringt.

 

Heidelberg, Juli 2017

 

 

 

 

 

 

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