Krankheitsbild

 

Die Beta-Propeller-Protein-assoziierte Neurodegeneration (BPAN) ist eine Störung, die das Nervensystem schädigt und sich allmählich verschlechtert. BPAN wurde erstmals 2012 klinisch beschrieben. Derzeit sind weltweit etwa 500 Fälle bekannt. Ursache bei BPAN ist ein Defekt des Gens WDR45 auf dem X-Chromosom. Der Defekt, der üblicherweise eine spontane Mutation des Gens zu sein scheint, führt dazu, dass ein lebenswichtiger Prozess, die Autophagie, gestört ist. Eisenhaltige Abbauprodukte können nicht mehr aus den Zellen transportiert werden und sammeln sich darin an. Aus diesem Grund wird BPAN als eine Störung bezeichnet, die der Krankheitsklasse der Neurodegenerationen mit Ansammlung von Eisen im Gehirn (NBIA) zugeordnet wird, obwohl die Eisenakkumulation  im Krankheitsverlauf erst spät auftreten kann. Vorwiegend sind Mädchen betroffen. Man geht davon aus, dass die Schädigung bei Jungen so erheblich ist, dass sie das embryonale Stadium meist nicht überstehen.

 

Viele Menschen mit BPAN haben wiederkehrende epileptische Anfälle, die im Säuglings- oder Kleinkindalter beginnen. Mehrere verschiedene Arten von Anfällen können bei dieser Erkrankung auftreten, sogar bei ein und derselben Person. Häufig treten zuerst Anfälle auf, die durch ein hohes Fieber ausgelöst werden. Allerdings sind auch andere Ursachen möglich, wie z.B. eine unvollständige Myelinisierung im Gehirn.

 

Betroffene Personen können generalisierte tonisch-klonische Anfälle (auch bekannt als Grand-Mal-Anfälle) erleben. Diese Art des Anfalls wirkt sich auf den gesamten Körper aus und verursacht Muskelstarre, Krämpfe und Bewusstlosigkeit. Andere Anfallsarten, die bei dieser Erkrankung auftreten können, sind kurze Lücken im Bewusstsein, die das Erscheinungsbild von geistiger Abwesenheit oder Tagträumen haben können (Absence-Epilepsie oder auch Petit-Mal-Anfall genannt), plötzliche Episoden eines schwachen Muskeltonus (atonische Anfälle), unwillkürliche Muskelzuckungen (myoklonische Anfälle) oder ausgeprägtere Bewegungen, die als epileptische Spasmen bezeichnet werden. Einige zeigen Anfallsmuster, die epileptischen Syndromen wie dem West-Syndrom oder dem Lennox-Gastaut-Syndrom ähneln.

 

Kinder mit BPAN haben zudem eine geistige Behinderung, oft eine verzögerte motorische Entwicklung bzw. bleibende Körperbehinderungen sowie erhebliche Probleme im Wortschatz und der Sprachentwicklung. Viele Kinder entwickeln überhaupt keine Sprache. Oft treten Schwierigkeiten bei der Koordination von Bewegungen (Ataxie) auf. Ataxie beeinträchtigt die Fähigkeit zu gehen und feinmotorische Fähigkeiten wie z.B. das Benutzen von Gegenständen. Betroffene Personen können Verhaltensänderungen aufweisen, die oft mit Merkmalen des Rett-Syndroms verglichen werden. Zu diesen Merkmalen gehören wiederholtes Händewringen oder Klammern (stereotype Handbewegungen), Zähneknirschen (Bruxismus), Schlafstörungen und Probleme mit der Kommunikation und der sozialen Interaktion, die charakteristisch für Störungen aus dem Autismus-Spektrum sind. Oft ist auch das Sehen beeinträchtigt.

 

Ab der späten Jugend oder dem frühen Erwachsenenalter erleiden Personen mit BPAN einen raschen Verlust der kognitiven Fähigkeiten, der zu einer schweren Demenz führen kann. Es treten auch Probleme mit der Bewegung auf, wie z.B. Dystonie und Parkinsonismus. Dystonie ist ein Zustand, der durch unfreiwillige, anhaltende Muskelkontraktionen gekennzeichnet ist. Bei BPAN beginnt die Dystonie oft in den Armen. Parkinsonismus kann ungewöhnlich langsame Bewegungen, Starrheit, Zittern, eine Unfähigkeit, den Körper aufrecht und ausgeglichen zu halten, und einen schlurfenden Gang, der wiederkehrende Stürze verursachen kann, einschließen.

 

Jedoch ist die Ausprägung der verschiedenen Symptome bei allen Patienten verschieden. Daher ist auch die Lebenserwartung von Menschen mit BPAN sehr unterschiedlich. Mit einer angemessenen Behandlung ihrer Symptomatik können manche Betroffene bis ins mittlere Alter hinein leben. Der vorzeitige Tod kann aus Komplikationen der Epilepsie, der Demenz oder Bewegungsproblemen resultieren, wie z.B. Verletzungen durch Stürze oder Schluckbeschwerden, die zu einer bakteriellen Lungeninfektion führen können.

 

Quellen:

US National Library of Medicine - Genetics Home Reference

NBIA Disorders Associaction

NBIAcure

 

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